der Senefelder macht Rosa Luxemburg platz
„abends in der Volksbühne“, steht im kulturteil der taz
„gab's wieder videoprojektionen und fleischsalat“
die frau gegenüber blättert weiter, ist auch nicht schad'
lasst mich in Ruhleben
einfach nur spazieren gehen
ich will in Ruhleben
wo die welt zuende ist
einfach in ruh`leben
vielleicht als exorzist
Alexanderplatz - gut im untergrund zu sein
jetzt steigen auch die ersten urberliner vollidioten ein
zurückbleiben,bitte – schön dass das mal einer sagt
denn die zurückgebliebenen werden doch ansonsten nicht gefragt
Klosterstraße, Märkisches Museum, Spittelmarkt,
Hausvogteiplatz, Stadtmitte und Mohrenstraße – geisterstationen-infarkt
die alte frau mit dem rollwagen kommt leider zu spät
das bürofräulein blockiert die tür in solidarität
Potsdamer Platz – eklektisches ensemble, hingespuckt
sieht aus als würde alles irgendwann vom sand wieder verschluckt
ein anziehungspunkt für die touristenmassen
Pforzheimer Platz würde viel besser dazu passen
Mendelssohn-Bartholdy hat sich das so nicht vorgestellt
vielleicht liegt es ja auch nur am fehlenden geld
hinter der tunnelbrache - Gleisdreieck – no man's land
der punk hat wohl den Potsdamer Platz verpennt
lasst mich in Ruhleben
einfach nur spazieren gehen
ich will in Ruhleben
wo die welt zuende ist
einfach in ruh` leben
vielleicht als enzyklopädist
„hier noch jemand Interesse an der motz?“
Jetzt wird wieder kollektiv auf den boden geglotzt,
Bülowstraße, „bin seit vierzehn jahren obdachlos“
der junkie stinkt nach alkohol, sein haar sieht aus wie moos
Nollendorfplatz, bomberjacken, glatzen, gucken cool
BVG-kontrolleure, rechtradikale oder schwul?
"die fahrausweise, bitte" also doch BVG
am Wittenbergplatz plastiktüten vom KaDeWe
alles raus, neues rein am Bahnhof Zoo
"erst aussteigen lassen", die frage stellt sich, wo
wollen all die leute hin und wo kommen sie her
in wahrheit frag ich mich die frage schon seit jahren nicht mehr
Ernst-Reuter-Platz, Deutsche Oper, Bismarckstraße
der punk ist aufgewacht und schneidet seinem hund eine grimasse
das Berliner Fenster zeigt jetzt doch was in Berlin angeblich passiert
während sich der alte herr dort drüben seine Paechbrot-Stulle schmiert
lasst mich in Ruhleben
einfach nur spazieren gehen
ich will in Ruhleben
wo immer das auch ist
einfach in ruh`leben
vielleicht als bigamist
Sophie-Charlotte-Platz, Kaiserdamm, Theodor Heuss
ob mit ob ohne mauer – im westen nichts neues
dann doch Neu-Westend, leider weniger neu als ende
die mienen sind verbittert, alles schlecht seit der wende
Olympiastadion, hier verliert Hertha BSC
heute ist kein heimspiel, keine fans, kein olé
durch die graue wolkendecke dringt noch immer kaum licht
nur nach hause, nur nach hause, nur nach hause geh ich nicht
nur noch eine station dann bin ich vielleicht frei,
denn jeder passionsweg ist irgendwann vorbei
niemand mehr im zug außer mir und der punk
ist er oder bin ich oder sind wir beide krank
ist der punk jetzt tot? dem hund ist's scheißegal
alles aussteigen, endstation– da bleibt keine wahl
ich schaue mich in Ruhleben um, mein gott, hier sieht es aus wie auf’m klo
hier kann man weder spazierengeh’n noch seinen lebensabend fristen,
ich warte auf die nächste u-bahn von Ruhleben nach
Pankow
da will ich einfach nur spazieren geh'n
mit dem punk oder der ohne ihn
das wird man seh'n
nach Pankow, nach Rudow oder Warschauer Straße
nach Rathhaus Steglitz, Hönow, oder Innsbrucker Platz,
nach Uhlandstraße, Alt-Tegel oder Osloer Straße,
nach Rathhaus Spandau oder Alexanderplatz,
nach Wittenau, Nollendorfplatz, Hermannstraße, Wittenbergplatz, Krumme Lanke, Alt-Mariendorf...
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